Arbeitsgruppe III

Situation von Migrantinnen und Migranten mit und ohne Aufenthaltsstatus

Ziel 3: Den spezifischen Bedarfen von Migrantinnen und Migranten im Rahmen der gesundheitlichen Aufklärung, Betreuung und Versorgung im Bereich HIV/Aids wird Rechnung getragen.

Rechenschaftsbericht der AG 3

anlässlich der 13. Fachtagung „HIV und Aids im Land Brandenburg“ 19.11.2014

Durch die Zunahme der Neuaufnahmen von Migrantinnen und Migranten im Land Brandenburg sind verstärkte Präventionsanstrengungen notwendig. In der Realität werden Migrantinnen und Migranten von den Botschaften und Angeboten der HIV-Prävention aus verschiedenen Gründen oft nicht so gut erreicht wie die Gesamtbevölkerung. Es besteht ein dringender Handlungsbedarf. Daher hat sich die Arbeitsgruppe 3 zu folgenden Schritten entschlossen:
Die aktuelle Situation der Gesundheitskarawane zeigt, dass die personellen Kapazitäten erschöpft sind. Für die Aktivierung der Gesundheitskarawane sollten zum einen mehr finanzielle Mittel zur Verfügung stehen und zum anderen ehrenamtliche Mitarbeiter_innen geworben werden. Für die Aufstockung der Gesundheitsmediatoren der Gesundheitskarawane wurde ein Profil erstellt, das in Fachzirkeln bekannt gemacht wird und über verschiedene Ehrenamtsbörsen verteilt wurde.
Die Übergangswohnheime des Landes Brandenburg wurden mit einem Informationsschreiben über die Brandenburger Beratungs-, Test- und Präventionsangebote im HIV/Aids-Bereich informiert. Ebenfalls wurden verschiedene Informationsbroschüren, in den verschiedensten Sprachen vorgestellt und ein Rückmeldebogen zur Kontaktaufnahme und Abfrage der Bedarfe (wie z.B. Fortbildungsangebote für die Mitarbeiter_innen) in diesem Bereich eingefügt. Durch den Verein KATTE E.V. ist eine Kondombestellung für die Bewohner_innen ermöglicht worden.

3.1. Die gesundheitliche Aufklärung erfolgt kultursensibel und mit für Migrantinnen und Migranten niedrigschwelligen Angeboten.

Bericht: FaZIT e.V.
Im Jahr 2014 wurden durch die Gesundheitskarawane 25 Einsätze zur muttersprachlichen Gesundheitsaufklärung durchgeführt. Die am häufigsten nachgefragten Sprachen im Berichtsjahr waren: Englisch, Französisch und Russisch.

3.2. Der ungehinderte Zugang zur Untersuchung und Behandlung ist erleichtert.

Bericht IN VIA e.V.
Im Jahr 2014 bestand weiterhin durch IN VIA das Angebot für Frauen, die im Land Brandenburg und im grenzüberschreitenden Raum zu Polen in der Prostitution tätig sind, kostenlose und anonyme Untersuchungen auf HIV und andere STIs und medizinische Beratung zu erhalten. Der kostenlose Zugang zur Untersuchung auf verschiedene STIs stellt in den meisten Gesundheitsämtern der Region ein Problem dar. Auch wenn HIV-Tests in allen Gesundheitsämtern angeboten werden fehlt weiterhin das Untersuchungsangebot auf andere STIs. Die Möglichkeit sich bei niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten untersuchen zu lassen bedeutet für die Frauen Gebühren für die Tests zahlen zu müssen, da sie zum großen Teil keine Krankenversicherung haben und die Kosten dafür nicht aufbringen können. Dabei ist die Möglichkeit sich auf verschiedene STIs untersuchen lassen zu können für die Frauen im Prostitutionsmilieu sehr wichtig. Aus diesem Grund wurde im Jahr 2014 die aufsuchende Arbeit im Prostitutionsmilieu fortgesetzt. Den Frauen wurden Untersuchungen auf HIV, Hepatitis A+B+C, Syphilis und seit Juli des Jahres auf Chlamydien und Gonorrhö, sowie medizinische Beratung angeboten. Die neu angebotenen Untersuchungen auf Chlamydien und Gonorrhö sind eine wichtige Entwicklung dieser Maßnahme, da es den Frauen ermöglicht einen Selbstabstrich zu nehmen. Dieser Selbstabstrich kann in jedem geschützten Raum, bspw. auf jeder öffentlichen Toilette, von den Frauen
Selbst genommen werden, ohne dass ein gynäkologischer Stuhl dazu benötigt wird. Diese Test-Kits werden dann in ein Labor geschickt. Den Frauen wird auf diese Weise eine einfache Möglichkeit geboten, sich auf weitere, meist symptomlose und somit oft unbemerkte Krankheiten testen zu lassen.
Die Straßenstriche, auf denen die Untersuchungen regelmäßig angeboten werden befinden sich in folgenden Regionen: Schwedt-Chojna, Frankfurt/Oder-Slubice-Rzepin, Müncheberg-Seelow, Hangelsberg-Fürstenwalde, Beetz-Rüthnick, Bad Muskau-Leknica. Auch in einigen Bordellen wurden die Angebote zum Teil regelmäßig genutzt.
Die Herkunft und Nationalität der Sexarbeiterinnen ist sehr unterschiedlich. Auf den Straßenstrichen sind zum größten Teil Bulgarinnen tätig, aber auch polnische, ukrainische und rumänische Frauen. In den Bordellen und Wohnungen arbeiten vor allem deutsche, russische und rumänische Frauen. Aber auch Frauen aus Vietnam, Thailand und verschiedenen afrikanischen Ländern, sowie Frauen aus Südamerika sind dort als Sexarbeiterinnen tätig.
Nochmals mehr Frauen als im Vorjahr wurden im Jahr 2014 untersucht und auch die Anzahl der unterschiedlichen medizinischen Tests ist angestiegen. Insgesamt wurden 182 Laboruntersuchungen durchgeführt, wobei sich 48 Frauen haben untersuchen lassen. Die Ergebnisse waren weiterhin relativ erfreulich, da alle festgestellten Erkrankungen durch eine medikamentöse Therapie behandelt werden konnten. Weiter bestand immer wieder der Wunsch von Frauen einen Schwangerschaftstest machen zu können, was im Rahmen der Arbeit der Ärztin ermöglicht wurde.
Zudem konnte zu einer größeren Anzahl von Prostitutionsstätten Kontakt aufgenommen werden, wobei besonders ein Anstieg der Kontakte zu Frauen in Wohnungen zu erkennen ist. Ein ebenfalls wichtiger Baustein der Maßnahme ist die Aufklärungsberatung durch die IN VIA-Mitarbeiterinnen, welche besonders Informationsvermittlung zu HIV und STIs, wie auch zu Saferwork beinhaltet. Zudem sind auch psychosoziale Beratungsgespräche mit den Sexarbeiterinnen ein wichtiger Teil des Vertrauensaufbaus und der Förderung der psychischen Gesundheit der Frauen. Die Beratungen finden in der Muttersprache der Frauen statt. Durch das IN VIA Team können folgende Sprachen gedeckt werden: Bulgarisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Griechisch, Polnisch, Rumänisch und Russisch.
Ein jedoch weiter bestehendes Problem ist, dass es im größten Teil des Landes Brandenburg und des grenzüberschreitenden Raum zu Polen keine Möglichkeit auf kostenlose gynäkologische Untersuchungen für Sexarbeiterinnen ohne Krankenversicherung gibt. Aus diesem Grund werden bei Bedarf diese Frauen durch IN VIA-Mitarbeiterinnen zu Gesundheitsämtern in Berlin begleitet. Insgesamt zeigen die Rückmeldungen der Frauen und die Laborbefunde, dass die dauerhafte Möglichkeit auf kostenlose und anonyme medizinische Untersuchungen für Sexarbeiterinnen von großer Bedeutung für diese ist. Die genannten Angebote waren oft die einzige Möglichkeit für die Frauen eine Krankheit zu behandeln. Um dieses niedrigschwellige medizinische Angebot für Frauen in der Sexarbeit erhalten zu können und auszubauen, ist IN VIA weiterhin auf der Suche nach Kooperationspartnern.

Bericht:
Sarah Michel, IN VIA
Herr Dr. Bautz, FaZIT e.V.
Sabine Frank, AIDS-Hilfe Potsdam e.V.