Respekt und Selbstverständlichkeit

Für einen diskriminierungsfreien Umgang mit HIV-positiven Menschen im Arbeitsleben

Deklaration positiv arbeiten

Deklaration gegen Diskriminierung im Arbeitsleben veröffentlicht. IBM, SAP und viele andere: HIV ist Teil von Diversity

Mehr als 50 namhafte Unternehmen und Organisationen haben in Hamburg eine Deklaration gegen Diskriminierung von Menschen mit HIV im Arbeitsleben unterzeichnet.

Am Vortag des Deutsch-Österreichischen Aids-Kongresses (DÖAK) setzen sie damit öffentlich ein Zeichen, vermitteln ein zeitgemäßes Bild vom Leben mit HIV und kündigen konkrete Maßnahmen für einen respektvollen und selbstverständlichen Umgang mit HIV-positiven Kolleg_innen an.

Die Arbeitgeber_innen-Deklaration ist auf Initiative der Deutschen Aidshilfe (DAH) entstanden. Die Liste der Unterzeichnenden reicht von weltweit tätigen Großunternehmen bis zu Einzelhandelsgeschäften, von Verbänden über Städte bis zu lokalen Einrichtungen.

Dazu sagt DAH-Vorstand Winfried Holz:

„Alle gemeinsam machen wir deutlich: HIV braucht im Arbeitsalltag überhaupt keine Rolle zu spielen. Einem ganz normalen kollegialen Umgang steht nichts im Wege. Wir appellieren an alle Menschen in der Arbeitswelt: Tragen Sie dieses Wissen auch in Ihr Umfeld! Es schafft Erleichterung für alle Beteiligten.“

Nach der Erstunterzeichnung in Hamburg sollen nun möglichst viele weitere Unternehmen und Organisationen die Deklaration unterschreiben.

Kolleg_innen wie alle anderen

Bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung können Menschen mit HIV heute leben und arbeiten wie alle anderen. Sie sind genauso leistungsfähig und können jeden Beruf ausüben.

Prof. Dr. Hans-Jürgen Stellbrink, Präsident des Deutsch-Österreichischen AIDS-Kongresses, erklärt:

„Die Medizin hat HIV heute gut im Griff. Die Infektion muss keine Einschränkung mehr bedeuten. Ängste vor einer Übertragung bei der Zusammenarbeit waren schon immer unbegründet. Unter Therapie ist eine Übertragung von HIV prinzipiell nicht mehr möglich. Im Arbeitsalltag ist HIV irrelevant.“

Benachteiligung, Ängste und Vorurteile

Immer wieder jedoch erleben Menschen mit HIV im Beruf Benachteiligung und sind Vorurteilen ausgesetzt: häufiger krank, eine Gefahr für andere, schlecht fürs Image des Unternehmens.
In einigen Unternehmen – vor allem im Gesundheitswesen – gehört sogar der HIV-Test immer noch zur Einstellungsuntersuchung, obwohl er rechtlich unzulässig und das Ergebnis für die Arbeit unerheblich ist.
Der Diskriminierung zugrunde liegen dabei meist völlig veraltete Vorstellungen vom Leben mit HIV, irrationale Ängste vor einer Übertragung und unzulässige moralische Bewertungen.

Akzeptanz ist gut für alle

Die beteiligten Unternehmen begreifen die Deklaration sowohl als Frage individueller Rechte, als auch als Teil ihrer Diversity-Strategien. Sie wissen: Ausgrenzung und die Angst davor machen krank und schaden dem Unternehmen. Akzeptanz ist unerlässlich für ein produktives Betriebsklima.

„Wir haben keine Angst vor Vielfalt. Vielfalt ist für uns wichtig, denn Vielfalt bedeutet Innovation. HIV ist für uns eine von zahlreichen Facetten“, sagt Dr. Ernesto Marinelli, Senior Vice President und Head of HR bei SAP.

Sein offen HIV-positiver Mitarbeiter Jörg Beißel, Senior Facility Specialist, berichtet: „Die Rückendeckung meiner Unternehmensführung bedeutet für mich ein proaktives Bekenntnis: Du bist genau so richtig, wie du bist. Ich finde es sehr gut, dass meine Firma diese Kampagne in dieser Form unterstützt und somit hilft, Aufklärungsdefizite zu beseitigen!“

Norbert Janzen, Personal-Geschäftsführer bei IBM unterstreicht: „Es freut mich, dass wir heute diese Deklaration mitunterzeichnen können – ein wirkliches Highlight in unserer über 10-jährigen Partnerschaft mit der Deutschen Aidshilfe. Die Förderung des Einzelnen hat bei IBM eine über 100 Jahre lange Tradition, sie ist Leitmotiv unserer Firmenkultur. Die Individualität aller Mitarbeitenden als Basis für Innovation und Kundenorientierung ist für den Erfolg unseres Unternehmens auch in Zukunft unerlässlich.“

Axel Wedler, offen HIV-positiver Senior Manager bei IBM, erklärt: „Das klare Bekenntnis meiner Füh­rungskräfte ermutigt mich, überall im Unternehmen weiter offen mit dem Thema umzugehen und anderen als An­sprechpartner zur Verfügung zu stehen. Das fördert Offenheit und Akzeptanz weit über das Thema HIV hinaus.“

Erstunterzeichnende der Deklaration „Für Respekt und Selbstverständlichkeit: Für einen diskriminierungsfreien Umgang mit HIV-positiven Menschen im Arbeitsleben“

Accenture • Aperto • Agentur für Arbeit Hamburg • Arbeitskreis Jugend- und Drogenberatung im Kreis Warendorf e.V. • Architekturbüro Silke Anna Linnemann • art*design • Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration Hamburg • Bochum • Bosch • Caritas Berlin • Daimler • DAK-Ge­sundheit • Deutsche Bahn • Deutsche Bank • Deutsche Druck und Verlagsgesellschaft • Deutsche Eiche / Joseph Sattler GmbH • Dortmund • Deutsches Rotes Kreuz e.V. (DRK) •  DRK Kreisverband Wolfenbüttel • DRK-Landesverband Hamburg • DRK-Landesverband Niedersachsen • Drogenhilfe Schwaben • Elsevier • Flughafen Dortmund • Gasteig München GmbH • Fürth • GEW NRW • GSK • GLS Bank • IBM • IMAGE Ident GmbH • IT-Lorenz • Kare Design • Lyra Apo­theke • Münchener Kammerorchester • Norddeutscher Rundfunk (NDR) • Der Paritätische Berlin • Der Paritätische Gesamtverband • Der Paritätische Hamburg • PwC • Reichshof Hamburg Curio Collection by Hilton • SAP •  Schön Klinik Bad Bramststedt • Techniker Krankenkasse • Mannheim • Megaherz GmbH Film und Fernsehen • München • Nürnberg • Die Piratenpartei • Staatstheater am Gärtnerplatz, München • Stadtreklame Nürnberg • Tech Data • Vivantes • zahlreiche Aidshilfe-Organisationen (Stand: 11.6.2019)

weiter Informationen findet man: http://www.positiv-arbeiten.de

HIV GRENZT DICH NICHT AUS. UNWISSEN SCHON.

In diesem Jahr feiert der HIV IM DIALOG-Kongress sein 20-jähriges Jubiläum zu dem herzlich eingeladen wird. Das zentrale Thema dieses Jahr ist STIGMA, deshalb lautet das Motto:

HIV GRENZT DICH NICHT AUS. UNWISSEN SCHON.

HIV-Stigma beenden, Zugänge zur sexuellen Gesundheit schaffen!

Einladung zum Internationalen Fachkongress HIV IM DIALOG am 30. und 31. August im Berliner Rathaus

Veranstaltungsflyer: HID_FLYER_2019_Programm

hier können Sie sich online anmelden: http://www.hiv-im-dialog.de/index.php?id=34

Durch Beratung und Aufklärung, Testangebote,  Kondome, Schutz durch Therapie und Prä- und Postexpositionsprophylaxe kann für sehr viele Menschen ein effizientes kombiniertes Präventionspaket zusammengestellt werden. Damit könnten die 90-90-90-0-Ziele erreicht werden, um Aids bis 2030 zu beenden. Dennoch verhindert die Stigmatisierung der HIV-Infektion einen breiteren rationalen Diskurs über die Möglichkeiten eines effektiven Schutzes vor der Infektion. Die Bestrebungen der Rechten und konservativer Kräfte, bereits errungene sexuelle Freiheiten zurückzudrängen, Migrant*Innen zu bekämpfen und Menschen mit einem erweiterten Begriff von  Genderidentität zu diffamieren, birgt die Gefahr eines Rückschlages auch in der HIV-Bekämpfung. Häufig berichten Trans*Personen, neben MSM und andere Menschen mit Fluchterfahrung und/oder aus der Sexarbeit – also aus den Gruppen, die besonders vor einer HIV-Infektion gefährdet sind – von einem beleidigenden Umgang –  sowohl in ihrem Alltag als auch in der Community. Der daraus resultierende Rückzug in immer kleinere als sicherer empfundene Räume erschwert die Präventionsarbeit. In der Folge bleibt diesen Menschen der Zugang zu notwendigen Informationen versperrt, sodass neuere Schutzmöglichkeiten vor einer HIV-Infektion nicht genutzt werden können.

Immer noch werden in Berlin ca. ein drittel der Neudiagnosen bei Menschen mit einer fortgeschrittener HIV-Erkrankung (sog. Late-Presenter) gestellt. Obwohl diese Menschen mitten in der Community leben, erkennen sie noch nicht die Möglichkeiten für sich, die bestehenden Strukturen für eine sexuelle Gesundheit zu nutzen.

Eine offensive Vernetzung und Solidarität mit den besonders gefährdeten Menschen ist eine Möglichkeit, Stigmatisierung und Diskriminierung zurückzudrängen. Um die UNAIDS-Ziele zu erreichen wird es entscheidend sein, wie wir uns mit und durch diese Menschen neu vernetzen und wie wir die Zugänge zu den Präventionsstrukturen gestalten.

Durch die Vielfalt der teilnehmender Experten*innen und Aktivist*innen aus den Bereichen Medizin, Gesundheitsversorgung, Politik und Sozialwissenschaft bietet HIV im Dialog eine einzigartige Möglichkeit des interdisziplinären Informations- und Erfahrungsaustauschs. HIV im Dialog 2019 wird gemeinsam vom Arbeitskreis AIDS der niedergelassenen Ärzte aus Berlin (AK AIDS), der Berliner Aids-Hilfe e.V., Update-your-life und dem Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum veranstaltet.

Wir haben sehr bewusst wieder das Berliner Rathaus (Rotes Rathaus) gewählt – der Sitz des Regierenden Bürgermeisters von Berlin – als Signal an Politik und Öffentlichkeit, HIV und Aids als gesellschaftsrelevantes Thema, nicht aus den Augen zu verlieren.

WISSEN VERDOPPELN

Am 28. November startete zum Welt-Aids-Tag die neue Kampagne zur Nichtübertragbarkeit von HIV unter Therapie.

Deutsche AIDS-Hilfe zum Welt-Aids-Tag: Diese gute Nachricht sollte jeder kennen. So wirkt die HIV-Behandlung sogar gegen Diskriminierung.

Nur 10 Prozent der Bevölkerung kennen diese wissenschaftliche Tatsache, ergab eine Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Die Kampagne #wissenverdoppeln fordert dazu auf, sich zu informieren und auch anderen davon zu erzählen. Erstes Etappenziel: Die Zahl der Informierten soll sich verdoppeln. Und dann immer wieder – bis alle Bescheid wissen. Die Kampagne wird mit Bundesmitteln gefördert.

Entlastung für alle Beteiligten

„Diese gute Nachricht sollte heute zur Allgemeinbildung gehören“, sagt Ulf Hentschke-Kristal vom Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe. „Sie nimmt unnötige Ängste vor HIV-positiven Menschen und wirkt damit auch Ablehnung entgegen. Das Wissen sorgt für Entlastung bei Menschen mit und ohne HIV.“

Im Alltag ist eine HIV-Übertragung ohnehin ausgeschlossen – unabhängig davon, ob jemand Medikamente nimmt. Trotzdem werden Menschen mit HIV noch immer oft als Gefahr wahrgenommen. Auch das illustriert die zitierte BZgA-Befragung.

„Wenn selbst beim Sex keine Übertragung mehr möglich ist, erscheint die Angst vor einer Infektion über gemeinsam benutze Trinkgläser, Fitnessgeräte oder Toiletten hoffentlich als das, wie sie schon immer war: vollkommen abwegig“, so DAH-Vorstand Hentschke-Kristal.

Wissenschaftliche Tatsache

Dass unter erfolgreicher Therapie selbst beim Geschlechtsverkehr keine HIV-Übertragung mehr möglich ist, beweisen mittlerweile mehrere große Studien. Beobachtet wurden in den Studien Tausende gemischt HIV-positiv-negative Paare, die über 100.000 Male auf Kondome verzichteten, ohne dass es zu einer Übertragung kam. So trägt „Schutz durch Therapie“ heute zu einer erfüllten Sexualität ohne Ängste bei.

Zwei Paare, eine HIV-positive Mutter und ein Sozialarbeiter erzählen

„Es ist toll zu erleben, wie sehr diese Nachricht die Menschen erleichtert“, erzählt Jonathan (27), Sozialarbeiter in Berlin und eines der Kampagnengesichter von #wissenverdoppeln. Und fügt hinzu: „Ich bin immer wieder überrascht, wie überrascht die Leute sind.“

David (38) aus Berlin berichtet: „Mit der HIV-Therapie geht’s mir gut – und meine Partnerin schützt sie auch.“ Seine Freundin Silke (39) ergänzt: „Dank Therapie spielt die HIV-Infektion in unserer Beziehung keine Rolle. Für mich ist das so, als wäre er kurzsichtig: Beides ist nicht ansteckend.“

Franziska (35) hat drei Kinder, die auf natürliche Weise gezeugt wurden und zur Welt kamen. Doch sie musste lange suchen, bis sie eine aufgeklärte Geburtsklinik fand. Ihr Statement: „Dass HIV unter Therapie nicht übertragbar ist, hat nicht nur meine Lebensqualität verbessert, sondern ist auch eine wichtige Botschaft für die Gesellschaft. Alle können sich entspannen!“

Fabian (26) aus Frankfurt berichtet, wie er Angst hatte, sich zu infizieren und seinen Freund André (36) zu verlieren, als dieser sein positives Testergebnis erhielt. Drei Jahre später hat sich die Situation entkrampft: „Ich hätte damals mehr Informationen gut gebrauchen können“, zieht Fabian Bilanz.

Wie die Medikamente wirken

Eine HIV-Behandlung unterdrückt die Vermehrung von HIV im Körper. Das Virus ist dann im Blut nicht mehr nachweisbar. Dann ist auch eine Übertragung auf sexuellem Wege nicht mehr möglich. „Schutz durch Therapie“ setzt dabei die regelmäßige Einnahme der Medikamente und die regelmäßige Kontrolle des Therapieerfolges voraus.

Diskriminierung gehört noch immer zum Alltag

Dank der heute verfügbaren HIV-Medikamente kann man mit HIV alt werden und leben wie alle anderen Menschen. Erschwert wird der Alltag mit HIV aber durch Diskriminierung, die in allen Lebensbereichen vorkommt – vom privaten Umfeld über die Arbeitswelt bis zum Gesundheitswesen. Zugrunde liegen meist irrationale Ängste vor einer HIV-Infektion sowie moralische Bewertungen des (vermuteten) Lebensstils der HIV-positiven Menschen.

Für ein selbstverständliches Miteinander

„Unser Ziel ist das ganz selbstverständliche Miteinander, das heute möglich ist – ohne Ängste, ohne Zurückweisung und Abwertung“, betont Ulf Hentschke-Kristal. „Das Wissen um die Nicht-Übertragbarkeit unter Therapie kann dazu entscheidend beitragen. In diesem Sinne: Geteiltes Wissen ist doppeltes Wissen!“

Eine Kampagne zum Mitmachen

Die Kampagne #wissenverdoppeln bietet darum verschiedene Möglichkeiten, die entlastende Botschaft zu verbreiten. Auf der Webseite können Menschen ihre Geschichte und Reaktionen posten, die sie beim Weitersagen erfahren haben. Wichtige Fakten können in sozialen Netzwerken geteilt werden. Aufkleber, Postkarte und Infoflyer animieren ebenfalls zum Weitersagen. Denn Wissen verdoppeln geht nur gemeinsam.

Website #wissenverdoppeln: https://wissen-verdoppeln.hiv/

Kampagnenvideo: https://youtu.be/19XL6OhqXSQ

Download Pressefotos, Anzeigenmotive und Videos: https://www.aidshilfe.de/material-wissenverdoppeln

BZgA-Umfrage: 90 % wissen nicht um die Schutzwirkung der HIV-Therapie: https://www.aidshilfe.de/meldung/bzga-umfrage-90-wissen-um-schutzwirkung-hiv-therapie

Videoclip mit aktuellem Inhalt

Die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg ist Mitglied der Initiative Brandenburg – Gemeinsam gegen Aids. Nachdem 2017 erfolgreich Informationsbroschüren für Brandenburger Ärzt_innen und Patient_innen aktualisiert und verteilt wurden, gibt es nun eine weiteres Medium. Anlässlich des Welt-Aids-Tages 2018 hat die KVBB eine Video produziert, dass auf die Wichtigkeit der HIV-Testung hinweist.

Welt-AIDS-Tag: Aufruf zur Testung beim Arzt

In jedem Jahr gedenken Menschen weltweit am 1. Dezember der 1981 bekanntgewordenen Immunschwächekrankheit AIDS. Die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg richtet in diesem Jahr einen ganz persönlichen Appell an die Vertragsärzteschaft. In einem kurzen Video spricht die Infektiologin Dr. Ines Liebold die Kolleginnen und Kollegen direkt an.

Ihre Aufforderung lautet: Testen Sie auch schon bei leisem Verdacht, denn die HIV-Infektion ist behandelbar! Der schwere Krankheitsverlauf wird so vermieden. Behandelte Patienten stecken niemanden mehr an. Es gilt, die Scheu der Patienten vor dem Thema Infektionsrisiko zu bedenken und deshalb sollten Ärzte den Test auch direkt ansprechen!

17. Fachtag „Sexuelle Gesundheit in Brandenburg“

am 21. November wird der 17. Fachtag anlässlich des Welt-AIDS-Tages 2018 stattfinden. Mit der Auftaktveranstaltung zum Welt-Aids-Tag 2018 präsentieren wir Ihnen aktuelle Themen der Prävention (siehe Einladung – Fachtag_21.11.2018)

Anmeldeformular: Anmeldung-21.11.18

Die Gemeinschaftsinitiative möchte am Nachmittag die Brandenburger Gesundheitsziele im Bereich HIV/STI und sexuelle Gesundheit diskutieren. Es ist uns sehr wichtig, darüber mit den Gästen ins Gespräch zu kommen.

Wir freuen uns darauf, Sie zum Fachtag begrüßen zu dürfen!

Neue Website für Migrantinnen und Migranten

Die neue Website bietet auf Englisch, Französisch, Arabisch und Russisch Informationen rund um das deutsche Gesundheitssystem, HIV/Aids, Geschlechtskrankheiten und die Nutzung von Kondomen.

Auch Hinweise, wo man sich testen und bei Bedarf behandeln lassen kann und welche Möglichkeiten Menschen ohne Papiere haben, finden sich auf der Seite.

www.your-health.tips

HIV im Fokus 2018

HIV im Fokus, Berlin

Am Samstag, 01. September 2018, 9-18 Uhr

Berliner Rathaus, Rathausstr. 15, 10178 Berlin

HIV2018_PROGRAMMFLYER

Der internationale Fachkongress HIV IM FOKUS fand 2012 zum ersten Mal statt und wird alle zwei Jahre veranstaltet. Im Gegensatz zum thematisch breit angelegten HIV im Dialog beleuchtet HIV IM FOKUS ein zentrales Thema.

Unter dem Titel: AIDS BEENDEN. GEMEINSAM.

FAST-TRACK CITY BERLIN

  • Integrativer Checkpoint
  • Präventionslücken schließen/No one left behind
  • Diskriminierung/Stigma

wird der diesjährige Kongress stattfinden.

Es geht es um drei wichtige Schwerpunkte im Rahmen des weltweiten Projektes „Fast-Track Cities Initiative To End Aids“.  Denn Berlin hat sich 2016 – als bislang einzige Stadt in Deutschland – der weltweiten Initiative angeschlossen, die bis zum Jahr 2030 die Aids-Epidemie in Städten beenden will.

Insgesamt hat das „Fast-Track Cities“-Programm vier große Ziele, die bis zum Jahr 2020 erreicht werden sollen: 90 Prozent der Menschen mit HIV wissen von ihrer Infektion, 90 Prozent erhalten eine Therapie, bei 90 Prozent davon ist HIV nicht mehr nachweisbar. Ein weiteres Ziel: Null Diskriminierung von Menschen mit HIV.

Weitere Informationen und Anmeldung unter:  www.hiv-im-fokus.de

Neues Internetportal gegen HIV-Diskriminierung

Menschen mit HIV erleben auch heute noch Diskriminierung, etwa im Beruf oder im Gesundheitswesen. Das Portal hiv-diskriminierung.de bietet ihnen nun Informationen und Unterstützung, um sich zu wehren.

Die Seite informiert über Diskriminierung im juristischen Sinn, das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) und den Datenschutz und bietet Adressen von Ansprechpartner_innen, die beim Vorgehen gegen Diskriminierung beraten und unterstützen.

Meldestelle für HIV-Diskriminierung

Zugleich dient das Portal als Meldestelle für selbst oder von anderen erlebte Diskriminierung. Unter www.hiv-diskriminierung.de/diskriminierung-melden findet sich dazu ein Fragebogen, in dem man auch angeben kann, wenn man Beratung wünscht. Die Kontaktstelle HIV-bezogene Diskriminierung der Deutschen AIDS-Hilfe (DAH) setzt sich dann mit der meldenden Person in Verbindung.

„Informationen über Diskriminierungsfälle sind wichtig für uns“, erklärt Sven Warminsky vom Vorstand der DAH. „Nur wenn wir wissen, wie oft, in welcher Form und durch welche Institutionen Menschen mit HIV diskriminiert werden, können wir strukturelle Veränderungen einleiten – damit Diskriminierung künftig nicht mehr geschieht.“

Infos, Materialien und Links zum Thema HIV und Diskriminierung

Darüber hinaus bietet hiv-diskriminierung.de weiterführende Materialien zum Herunterladen, Links und Hinweise zu Schulungen und Veranstaltungen der Deutschen AIDS-Hilfe zu diesem Thema und Infos für Beratende.

Dass es sich bei Diskriminierung aufgrund der HIV-Infektion keineswegs um Einzelfälle handelt, zeigte bereits die 2011/12 durchgeführte bundesweite Befragung „positive stimmen“, mit der erstmals Zahlen zur Stigmatisierung von Menschen mit HIV ermittelt wurden.

Die Deutsche AIDS-Hilfe hat darauf unter anderem mit der Einrichtung der „Kontaktstelle HIV-bezogene Diskriminierung“ reagiert. Auch in immer mehr Aidshilfen vor Ort gibt es ausgewiesene Ansprechpersonen für Ratsuchende in Diskriminierungsfällen.

Portal hiv-diskriminierung.de: https://hiv-diskriminierung.de/

10 Jahre EKAF – Schutz durch Therapie

HIV kann unter einer wirksamen antiretroviralen Therapie auch beim Sex nicht übertragen werden. Am 30. Januar 2008 wurde dieser Fakt erstmals im sogenannten EKAF-Papier veröffentlicht, international als Swiss Statement bekannt. Das Papier hat einen Meilenstein in der modernen HIV-Prävention gesetzt. Denn seitdem gilt: Schutz durch Therapie wirkt.

In der Schweizerischen Ärztezeitung veröffentlichte 2008 eine Forschergruppe um den Wissenschaftler Pietro Vernazza, dass HIV unter erfolgreicher Therapie nicht mehr übertragen wird. Seitdem hat sich dafür der Begriff Schutz durch Therapie etabliert (englisch Treatment As Prevention).

Schutz durch Therapie führte zu einer Erweiterung der Safer Sex Botschaften: Das Kondom ist heute nicht mehr das einzige wirksame Mittel zur Verhinderung einer HIV-Infektion.

Nicht zu unterschätzen ist gleichzeitig auch die Bedeutung von Schutz durch Therapie im Kampf gegen Stigmatisierung von HIV-positiven Menschen und für Anti-Diskriminierung. Wer einmal begriffen hat, dass selbst beim kondomlosen Sex mit HIV-positiven Menschen unter einer wirksamen Therapie das Virus nicht mehr übertragen werden kann, verliert (hoffentlich) auch mögliche Vorbehalte ihnen gegenüber.

Doch bis heute wissen viele Menschen nicht um die Schutzwirkung der HIV-Therapie. Laut einer aktuellen Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist lediglich 10 Prozent der deutschen Bevölkerung dieser Sachverhalt bekannt.

Studienlage

Mittlerweile haben Studien die Schutzwirkung der antiretroviralen HIV-Therapie belegt. Der Meilenstein war dabei die Studie HPTN 052, vom Wissenschaftsmagazin Science zum wissenschaftlichen Durchbruch des Jahres 2011 erklärt. Sie zeigte wissenschaftlich zweifelsfrei, dass die Wahrscheinlichkeit einer HIV-Übertragung beim Sex ohne Kondom (sie liegt normalerweise statistisch bei rund einem Prozent) durch eine gut funktionierende Therapie mit HIV-Medikamenten um mindestens 96 Prozent gesenkt wird. Die Therapie schützt damit genauso effektiv wie Kondome.

Bestätigt wurde HPTN 052 durch die 2016 veröffentlichte PARTNER-Studie. An ihr nahmen 548 heterosexuelle und 340 schwule Paare teil, bei denen jeweils ein_e Partner_in HIV-negativ und eine_r Partner_in HIV-positiv und wirksam therapiert war. Im Studienzeitraum hatten die Paare insgesamt 58.000 Mal Sex ohne Kondom (Vaginal- und Analverkehr). Trotzdem kam es zu keiner HIV-Übertragung.

Mit der „Opposites-Attract“-Studie liegt seit 2017 ein weiterer wissenschaftlicher Beleg vor. Dieser zeigt, dass die Schutzwirkung auch für Analverkehr unter schwulen Männern gilt: An der Studie nahmen insgesamt 343 schwule Paare aus Australien, Bangkok und Rio de Janeiro teil. Auch hier war jeweils ein Partner HIV-negativ, ein Partner HIV-positiv und wirksam therapiert. Im Studienzeitraum hatten die Paare fast 17.000 Mal Analverkehr ohne Kondom. Trotzdem gab es innerhalb der schwulen Paare keine HIV-Übertragungen.

 

Quelle: Deutsche AIDS-Hilfe e.V. veröffentlicht am 28.01.2018

 

 

 

 

 

WHO – Späte HIV-Diagnosen

WHO: Jede zweite HIV-Infektion in Europa wird erst spät diagnostiziert

In Europa ist die Zahl der HIV-Neudiagnosen erneut gestiegen. 2016 wurden in der WHO-Europaregion über 160.000 HIV-Infektionen festgestellt, davon rund 29.000 in den Ländern der Europäischen Union (EU) und des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR).

Dies geht aus einem veröffentlichten Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Europäischen Gesundheitsbehörde ECDC hervor.

Demnach ist Europa weltweit die einzige Region der WHO, in der die Zahl der HIV-Neuinfektionen weiter ansteigt. 2016 entfielen fast 80 % der 160.000 HIV-Neudiagnosen auf den östlichen Teil; die höchste Rate wurde in Russland verzeichnet (mit rund 70 Diagnosen pro 100.000 Einwohner_innen).

„Das ist die bisher höchste registrierte Zahl von neuen Fällen innerhalb eines Jahres“, erklärte Dr. Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa. „Setzt sich dieser Trend fort, werden wir das Ziel, die HIV-Epidemie bis 2030 zu beenden, nicht erfüllen können“, warnte sie.

Viele Spätdiagnosen

Ein Grund für diese Entwicklung ist laut dem Bericht auch, dass über die Hälfte (51 %) der gemeldeten HIV-Diagnosen in Europa erst in einem späten Stadium gestellt wird. Im Schnitt vergehen drei Jahre zwischen Infektion und Diagnose. Dabei steigt der Anteil der Spätdiagnosen mit der Altersgruppe: 65 % der über 50-jährigen HIV-Positiven in der WHO-Europaregion wurden 2016 erst diagnostiziert, als die Infektion schon weit fortgeschritten war.

„Die späte Testung, insbesondere von Personen mit einem höheren Infektionsrisiko, führt zu einer späten Behandlung und trägt weiter zu einer anhaltenden Ausbreitung von HIV bei“, erklärt Jakab in einer Pressemitteilung. Anlässlich des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember appelliert sie an alle Länder der Region, jetzt entschlossene Maßnahmen zu ergreifen, um in Europa eine Trendwende bei der HIV-Epidemie herbeizuführen.

Dazu gehörte unter anderem Aufklärung und Sensibilisierung, die Förderung von Schutzmaßnahmen beim Sex wie Kondome und die HIV-Prophylaxe PrEP sowie die Förderung der Substitutionstherapie und von Spritzentauschprogrammen für Drogengebraucher_innen. Zudem seien wirksame Beratungs- und Testangebote wichtig, dazu gehörten auch Schnelltests und Community-basierte Angebote sowie HIV-Selbsttests. Darüber hinaus müsse ein schneller Zugang zu hochwertiger Behandlung und Versorgung sichergestellt werden.

(ascho/Christina Laußmann)

Quelle/weitere Informationen:

Pressemitteilung der Weltgesundheitsorganisation Bericht von WHO und ECDC