Deutsch-Österreichische Leitlinie zur HIV-PEP aktualisiert

Deutsch-Österreichische Leitlinie zur HIV-PEP aktualisiert

13.05.2022

Nach einem Kontakt mit HIV kann eine medikamentöse Prophylaxe (HIV-Post-Expositions-Prophylaxe, kurz HIV-PEP) eine HIV-Infektion meistens verhindern. Die Deutsche und die Österreichische AIDS-Gesellschaft haben ihre Leitlinie zur HIV-PEP nun aktualisiert.

Bei der Frage, wann eine HIV-PEP empfohlen, angeboten oder nicht angeboten werden soll, hat sich nur wenig geändert. Neu sind Empfehlungen für die Medikamente sowie zum Vorgehen bei tiefen Bissverletzungen, blutenden Schnittverletzungen mehrerer Beteiligter und bei sexualisierter Gewalt.

HIV-PEP: empfehlen, anbieten, nicht anbieten?

Entscheidend dafür, ob eine PEP empfohlen, angeboten oder nicht angeboten werden soll, ist die Wahrscheinlichkeit einer HIV-Übertragung. Sie steigt mit der übertragenen Virenmenge und hängt auch vom Ort (intakte Haut, verletzte Haut, Schleimhaut), der Art und der Dauer des Kontakts mit HIV ab.

Unter der Behandlung mit HIV-Medikamenten ist die Zahl der HIV-Kopien im Blut und anderen Körperflüssigkeiten so gering, dass eine HIV-PEP in der Regel nicht angezeigt ist.

Zu HIV-Infektionen kann es kommen, wenn größere Mengen HIV-haltiger Körperflüssigkeiten von Menschen mit HIV übertragen werden, die keine HIV-Medikamente nehmen oder bei denen die Medikamente die Virenvermehrung nicht vollständig unterdrückt wird. Zu diesen Körperflüssigkeiten gehören vor allem Blut, Samenflüssigkeit, Vaginalsekret und der Flüssigkeitsfilm auf Darmschleimhaut.

HIV-PEP: Arbeitswelt, Sex, Drogenkonsum

  • Im beruflichen Zusammenhang wird eine HIV-PEP dann empfohlen, wenn zum Beispiel bei einer Stichverletzung durch die Haut (perkutan) mit einer Injektionsnadel oder einer anderen Hohlraumnadel oder bei einer Schnittverletzung mit einem Skalpell oder Messer eine größere Menge einer (wahrscheinlich) HIV-haltigen Körperflüssigkeit in den Körper gelangt.
  • Um eine HIV-Infektion auf sexuellem Weg zu stoppen, wird eine PEP bei ungeschütztem eindringendem oder aufnehmendem Anal- oder Vaginalverkehr empfohlen, wenn der*die Sexualpartner*in mit erhöhter Wahrscheinlichkeit eine nicht oder nicht ausreichend behandelte HIV-Infektion hat.
  • Im Kontext des intravenösen Drogengebrauchs wird zu einer HIV-PEP geraten, wenn ein Injektionsbesteck geteilt wurde, das Blut mit einer infektionsrelevanten HIV-Menge enthält. Gebrauchte Spritzen, die etwa in Parks gefunden werden, stellen dagegen laut Leitlinie kein HIV-Infektionsrisiko dar, sodass keine PEP erfolgen soll.

Neu: Empfehlungen zur HIV-PEP nach sexualisierter Gewalt

In die Leitlinie neu aufgenommen wurden die Aspekte sexualisierte Gewalt und Biss- und Schnittverletzungen:

Opfern sexualisierter Gewalt soll eine PEP angeboten werden, wenn es zu Anal- oder Vaginalverkehr ohne Schutz gekommen ist; explizit genannt werden der Schutz durch Kondome/Femidome oder eine HIV-Prä-Expositions-Prophylaxe, hinzu kommt der Schutz durch eine HIV-Therapie.

Eine PEP nach Oralverkehr soll hingegen nicht erfolgen, da das HIV-Risiko minimal ist.

Ebenfalls neu: Empfehlungen zur HIV-PEP nach Biss- und Schnittverletzungen

Auch bei tiefen blutigen Bissverletzungen soll eine PEP empfohlen werden, wenn sie durch eine nicht oder nicht ausreichend antiretroviral behandelte HIV-positive Person verursacht wurde, die zum Zeitpunkt des Bisses selbst blutende Verletzungen im Mund aufweist. Als Beispiel wird ein Zungenbiss durch einen epileptischen Anfall genannt.

Bei seriellen Schnittverletzungen, das heißt, wenn mehrere Personen blutende Verletzungen durch dasselbe Instrument erleiden, soll eine HIV-PEP angeboten werden.

Deutsch-Österreichische Leitlinie zur medikamentösen Postexpositionsprophylaxe (PEP) nach HIV-Exposition (Version 2022)

Beratung des Hilfetelefons „Gewalt gegen Frauen“ auf Ukrainisch!Телефон довіри „Насильство щодо жінок“ – Beratung auf Ukrainisch!

Beratung des Hilfetelefons „Gewalt gegen Frauen“ auf Ukrainisch!

Seit dem 01. Mai 2022 ist die Beratung beim Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ auch auf Ukrainisch möglich

Телефон довіри „Насильство щодо жінок“ – Beratung auf Ukrainisch!

(Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“)

Aufgrund der aktuellen Entwicklungen hat das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ sein Sprachangebot erweitert. Gewaltbetroffene Frauen finden ab sofort auch in ukrainischer Sprache Unterstützung. Auf Wunsch einer Anruferin schalten die Beraterinnen innerhalb einer Minute eine Dolmetscherin in der benötigten Sprache zum Gespräch hinzu. Die kostenfreie, anonyme und vertrauliche Beratung unter der 08000 116 016 ist damit jetzt in 18 Fremdsprachen möglich.
https://www.hilfetelefon.de/das-hilfetelefon/beratung.html

 

Vergewaltigt – was nun? – Fünfte Brandenburger Klinik bietet vertrauliche Spurensicherung

„Ich brauche dringend ein Gespräch mit einer Gynäkolgin/einem Urologen“ – mit diesem Schlüsselsatz bei der Aufnahme gibt es sofort und vertraulich zusätzliche Hilfe an nunmehr fünf Kliniken in Brandenburg.


Mit der Soforthilfe haben Opfer sexueller Gewalt – unabhängig von einer Anzeige – die Möglichkeit, neben der medizinischen Versorgung vertraulich von einer Ärztin oder einem Arzt Tatspuren sofort sichern zu lassen. Wenn das Opfer sich erst spät für eine Anzeige entscheidet, kann die Polizei auf das Beweismaterial zurückgreifen.
Die vertrauliche Spurensicherung wird in fünf Brandenburger Kliniken angeboten:
Klinikum Frankfurt (Oder)
Ruppiner Kliniken Kliniken Neuruppin
Carl-Thiem-Klinikum Cottbus
Ernst von Bergmann Klinikum Potsdam
Klinikum Brandenburg an der Havel.

Das Programm „Vergewaltigt – was nun? Medizinische Soforthilfe und vertrauliche Spurensicherung“ gibt es seit 2014 im Land Brandenburg, es richtet sich an Frauen, Männer und Kinder aller Altersgruppen. Wenn ein Opfer in einer der fünf Kliniken kommt, kann es unter anderem mit dem Satz „Ich brauche dringend eine Gespräch mit einer Gynäkologin/ einem Urologen“ diskret darauf aufmerksam machen, dass eine sexuelle Gewalttat bzw. eine Vergewaltigung stattgefunden hat. In diesem Fall wird es unverzglich zu der entsprechenden Station weitergeleitet. Dort wird in ruhiger Atmosphäre das weitere Vorgehen mit der Ärztin oder dem Arzt beraten. Auf Wunsch wird auch der Kontakt zu Opferunterstüzungseinrichtungen vermittelt, die Betroffene nachsorgend beraten.

Informationen zur medizinischen Soforthilfe und vertraulichen Spurensicherung gibt es bei allen Opferberatungsstellen der Opferhilfe des Landes Brandenburg:
http://www.opferhilfe-brandenburg.de

und auf der Internetseite:
http://www.hilfe-nach-vergewaltigung-brandenburg.de

Download für Infoflyer in mehreren Sprachen:
https://www.hilfe-nach-vergewaltigung-brandenburg.de/download-infomaterial/

Neue Broschüre: Infos in Leichter Sprache

Die Deutsche Aidshilfe hat eine neue Broschüre herausgegeben.

Infos in Leichter Sprache zu HIV und Aids, Geschlechts-Krankheiten, Hepatitis
Mit diesem Heft möchte die Deutsche Aidshilfe in Leichter Sprache über HIV und Aids aufklären.

Dort wird z.B. erklärt:

  • Was ist HIV?
  • Was ist Aids?
  • Wie kann ich mich schützen?
  • Wo bekomme ich Hilfe?
  • Und vieles mehr.

Ebenfalls sind darin Infos zu Geschlechts-Krankheiten zu finden.

Die Krankheiten werden beim Sex übertragen.

Bestellt werden kann diese Broschüre:

https://www.aidshilfe.de/shop/infos-leichter-sprache-hiv-aids-geschlechts-krankheiten-hepatitis

HIV im Arbeitsleben: E-Learning gegen Vorurteile

#positivarbeiten:Deutsche Aidshilfe und Relias Learning GmbH veröffentlichen zum Welt-Aids-Tag kostenloses Fortbildungstool für eine diskriminierungsfreie und entspannte Zusammenarbeit.

Menschen mit HIV können heute bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung leben und arbeiten wie andere Menschen auch. Sie erleben jedoch häufig noch Diskriminierung, Vorurteile oder unnötige Berührungsängste – auch im Arbeitsleben. Um das zu ändern, wurde #positivarbeiten ins Leben gerufen, die Arbeitgeber*innen-Deklaration der Deutschen Aidshilfe gegen Diskriminierung – für Respekt und Selbstverständlichkeit. In Deutschland haben bereits über 145 Unternehmen, Verbände, Städte, Ministerien und Betriebe unterzeichnet.

Lebendiges Wissen

Auch die Relias Learning GmbH ist seit 2020 dabei. Zusammen mit der Deutschen Aidshilfe hat der Online-Bildungsanbieter für das Gesundheitswesen jetzt seine Expertise genutzt und den etwa 60-minütigen E-Learning-Kurs „Leben und Arbeiten mit HIV“ entwickelt, der individuell und kostenlos absolviert werden kann. Der Kurs frischt Grundlagenwissen zum Thema HIV auf, baut Mythen, Ängste und Vorurteile ab und vermittelt, wie die ganz selbstverständliche Zusammenarbeit mit HIV-positiven Kolleg*innen gelingt. Fallbeispiele, Videosequenzen und Antworten von HIV-positiven Menschen auf häufig gestellte Fragen lassen das Thema lebendig werden.

Gelebte Diversität

„Für Relias sind Diversität und Inklusion ein Herzensanliegen und gelebte Realität. Auch in unseren E-Learning-Kursen bilden wir die Vielfalt der Gesellschaft ab. Deshalb haben wir gerne die Erklärung #positivarbeiten unterzeichnet – und der Deutschen Aidshilfe angeboten, dieses Anliegen mit dem zu unterstützen, was wir am besten können: mit einem E-Learning-Modul“, erklärt Geschäftsführer Stefan Herm.

„Die Deutsche Aidshilfe begrüßt dieses Engagement von Relias sehr“, erklärt Winfried Holz vom DAH-Vorstand. „Selbstverständlich positiv leben und arbeiten – das lässt sich nur mit dem Engagement vieler in der Arbeitswelt und unter Einbeziehung von Menschen mit HIV selbst erreichen. So geht #positivarbeiten: Auf Worte folgen Taten für ein diskriminierungsfreies Miteinander. Dabei bringen die Unterzeichnenden ihre ureigenen Fähigkeiten und Qualitäten ein. Das ist großartig und wir hoffen, dass sich viele daran ein Vorbild nehmen!“

Der E-Learning-Kurs „Leben und Arbeiten mit HIV“ steht auf der Relias-Webseite kostenlos und ohne Registrierung zur Verfügung. Notwendig sind nur ein Internetzugang und ein Browser.

Zum E-Learning Kurs: http://preview.relias.com/library/demo/de/rel-de-0-50520/story.html.

#positivarbeiten: www.positiv-arbeiten.de

Relias Learning: https://www.relias.de/

Deutsche Aidshilfe: www.aidshilfe.de

Pressekontakt:

Deutsche Aidshilfe
Holger Wicht – Pressesprecher
Tel. (030) 69 00 87 – 16
presse@dah.aidshilfe.de
www.aidshilfe.de

Junge Menschen besonders von Chlamydien betroffen

BZgA informiert mit Social-Media-Kampagne

Chlamydien zählen zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen (STI).
Aktuelle Daten der GeSiD-Studie zu Gesundheit und Sexualität in Deutschland belegen, dass jedoch lediglich ein Fünftel der Erwachsenen zwischen 18 und 35 Jahren Chlamydien kennt. Vor allem junge Menschen sind stark von diesen bakteriellen Infektionen betroffen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) macht mit ihrer Initiative LIEBESLEBEN daher ab sofort verstärkt in sozialen Netzwerken auf Chlamydien aufmerksam: Unter dem Hashtag #WissenWasRumgeht sind junge Leute aufgerufen, sich zu dem Thema auf www.liebesleben.de zu informieren.

Die Kommunikation in der ärztlichen Praxis unterstützt die neue Informationskampagne mit Factsheets für Ärztinnen und Ärzte, Flyern für Patientinnen und Patienten und Wartezimmerplakaten für die direkte Ansprache junger Frauen und Männer. Zudem verstärken reichweitenstarke Influencerinnen und Influencer im Netz und in den sozialen Medien die Aufmerksamkeit für das Thema Chlamydien.

Chlamydien verursachen häufig keine Symptome

Chlamydien-Infektionen lösen häufig keine Beschwerden aus. Symptome wie Ausfluss, Brennen beim Wasserlassen oder Schmerzen beim Sex sowie Zwischenblutungen können auftreten – meist ein bis drei Wochen nach der Ansteckung – sie müssen es aber nicht. Auch können sich Beschwerden von selbst bessern oder sogar ganz verschwinden. Dennoch kann eine Chlamydien-Infektion noch immer im Körper sein und sich weiter ausbreiten. Wer Anzeichen bei sich bemerkt oder vermutet, sich mit Chlamydien angesteckt zu haben, sollte so schnell wie möglich zur Ärztin oder zum Arzt gehen. Unbehandelt kann eine Chlamydien-Infektion Entzündungen der Geschlechtsorgane auslösen, die mit der Zeit bei Frauen und Männern zu Unfruchtbarkeit führen können. Wird eine Infektion mit Chlamydien frühzeitig erkannt, ist sie in der Regel mit Antibiotika schnell und vollständig heilbar.

Kondome können vor Chlamydien schützen

Chlamydien werden weitergegeben, wenn infizierte Schleimhaut mit nicht infizierter Schleimhaut in Berührung kommt. Schmierinfektionen sind auch möglich. Übertragungswege sind daher vor allem ungeschützter Vaginal-, Anal- und Oralsex sowie die gemeinsame Benutzung von Sexspielzeug ohne Kondom. Einen vollständigen Schutz vor einer Infektion mit Chlamydien gibt es nicht, doch die Verwendung von Kondomen kann das Risiko einer Ansteckung stark senken.

Weiterführende Informationen zu Chlamydien und zur Chlamydien-Kampagne bietet die BZgA unter:
www.liebesleben.de/wissenwasrumgeht

ob in der Schule oder in den medizinischen Versorgungsstrukturen wie der ärztlichen Praxis.

Website www.liebesleben.de

Instagram www.instagram.com/liebesleben_de/

Facebook www.facebook.com/liebesleben.de

Twitter https://twitter.com/LIEBESLEBEN_DE

YouTube www.youtube.com/c/LIEBESLEBEN

Leben mit HIV heute: Vorurteile schaden mehr als die Infektion

Deutsche Aidshilfe und Institut für Demokratie präsentieren Ergebnisse des Forschungsprojektes „positive stimmen 2.0“. Fazit: gutes Leben mit HIV ist medizinisch möglich – der gesellschaftliche Umgang hinkt hinterher.
Auf die Ergebnisse aufbauend sind Handlungsempfehlungen und Forderungen partizipativ entwickelt worden, die dazu beitragen sollen, HIV-bezogene Diskriminierung abzubauen und die Entstigmatisierung von HIV voranzutreiben.
Sie sind in der Broschüre „positive stimmen 2.0 – Mit HIV leben, Diskriminierung abbauen. Einblicke und Ergebnisse aus einem partizipativen Forschungsprojekt zum Leben mit HIV in Deutschland“
zu lesen.

Weitere Informationen und Download der Broschüre: www.positive-stimmen.de/ergebnisse

Alternativ können Sie die Broschüre als Printversion (kostenlos) bestellen

PEP-Notfalldepot an Brandenburger Kliniken

HIV – PEP Notfalldepot in Brandenburger Kliniken

Postexpositionsprophylaxe (PEP) gegen HIV-Infektionen wurde auf dem Workshop HIV-Postexpositionsprophylaxe im September 1999 in Hamburg definiert „als die Behandlung von einer Person, die mit einer anderen tatsächlich (oder möglicherweise) mit HIV infizierten Person/Sache derart in Kontakt getreten ist, dass eine Infektion mit HIV zumindest potenziell möglich ist“.
Um im Sinne dieser Postexpositionsprophylaxe rasch, d. h. innerhalb von etwa zwei Stunden nach möglicher Exposition, handeln zu können, hat das Gesundheitsministerium im Auftrag der „Initiative Brandenburg – Gemeinsam gegen Aids“ eine aktualisierte Übersicht für Brandenburg erstellt, aus der hervorgeht, welche Krankenhäuser / Kliniken und weitere Standorte dieses Angebot vorhalten.

Der Podcast – Selbstverständlich positiv – die Kampagne für und von Menschen mit HIV

Vor einiger Zeit machten wir auf eine neue Kampagne der Deutschen Aidshilfe aufmerksam.

Selbstverständlich positiv – die Kampagne für und von Menschen mit HIV

Die Kampagne soll motovieren sich gegenseitig zu stärken und helfen, freier und offener mit HIV umzugehen.

Es liegt besonders auf der Hand von Menschen mit HIV, gesellschaftliche Bilder von HIV zu prägen. Die Kampagne soll dabei helfen das kräftezehrende Versteckspiel vieler Menschen mit HIV zu beenden. Dafür werden Geschichten hörbar und die Menschen dahinter sichtbar gemacht. Die Kampagne ermutigt gemeinsam Veränderung zu schaffen und gesellschaftlich zu bewegen.

Zentrales Element der Kampagne ist ein Podcast. Alle 14 Tage donnerstags erscheint eine neue Folge, in der die Moderator_innen mit verschiedenen Menschen, meist mit aber manchmal auch ohne HIV, über das selbstverständliche Leben mit HIV diskutieren.

Die Gäste erzählen welche Herausforderungen sie meistern mussten und welche Vorteile sie sehen, aber auch wer sie unterstützt hat oder wen sie auf dem Weg zum selbstverständlichen Leben mit HIV verloren haben.

Zu finden ist der Podcast auf Spotify oder Google Podcasts und auf der Webseite:

www.selbstverständlichpositiv.de.

Aidshilfe startet Kampagne – Ganz selbstverständlich HIV-positiv

Ganz selbstverständlich HIV-positiv – Aidshilfe startet Kampagne für offenen und entspannten Umgang

Ein Podcast und vielfältige Veranstaltungen zum Leben mit HIV sollen dazu beitragen, dass HIV bald im Alltag keine Rolle mehr spielt.

„Selbstverständlich positiv“ – Unter diesem Titel startet die Deutsche Aidshilfe (DAH) am Donnerstag, den 29. April 2021 eine Kampagne von und für Menschen mit HIV. Sie soll zu einem offenen und selbstbewussten Leben mit HIV ermutigen und damit zugleich Diskriminierung entgegenwirken.

„Menschen mit HIV können heute in den meisten Fällen leben wie alle anderen – und haben ein Recht darauf, auch genau so behandelt zu werden. Viele sprechen aber noch nicht über ihre HIV-Infektionen, denn sie müssen immer noch mit Diskriminierung rechnen, und HIV wird oft zum Problem gemacht, wo es keine Rolle spielen müsste. Unser Ziel ist ein entspannter, offener Umgang mit dem Thema HIV in allen Lebensbereichen“, sagt DAH-Vorstand Björn Beck, der selber HIV-positiv ist.

Fakt ist: Im Alltag ist die HIV-Infektion in den allermeisten Situationen völlig irrelevant. Bei rechtzeitiger Diagnose und Therapie sorgen heute HIV-Medikamente dafür, dass Menschen mit HIV gesund bleiben und mit der Infektion alt werden können, HIV ist unter Therapie auch nicht mehr übertragbar.

Bei der Befragung „positive stimmen“ gaben im letzten Jahr 90 Prozent an, dass sie gut mit Ihrer HIV-Infektion leben, 52 Prozent berichteten jedoch, durch Vorurteile beeinträchtigt zu sein.

„Selbstverständlich positiv“ startet Donnerstagabend um 19.30 Uhr mit einem Live-Event auf Facebook.
Macher*innen berichten von ihrer Motivation und Intention, außerdem gibt es Interviews und Beiträge zu vielen Themen rund um das Leben mit HIV.

Am Schluss des Live-Streamings geht die erste Folge eines Podcasts online, der das Herzstück der Kampagne bildet: Alle 14 Tage erzählen Gäste, was ihnen geholfen hat, offen positiv zu leben – oder was sie dafür noch brauchen. Gast der ersten Folge ist die Drag Queen Barbie Breakout, bekannt aus der Reality-Show „The Diva in me“ und durch ihr oft aufsehenerregendes Engagement gegen Diskriminierung.

Weitere Bestandteile der Kampagne sind Social-Media-Aktionen, Listening-Lounges, Diskussionsveranstaltungen sowie Austauschrunden zu ermutigenden Erfahrungen und Herausforderungen eines offenen Lebens mit HIV.

Menschen mit HIV werden selbst aktiv

„Selbstverständlich positiv“ wurde von HIV-positiven Menschen selbst in einer Themenwerkstatt der Deutschen Aidshilfe entwickelt. Indem sie selbst offen mit ihrer HIV-Infektion umgehen, wollen sie anderen ein Beispiel geben, sie bei einem offenen Umgang damit unterstützen und Angst und Scham abbauen. Mehr öffentliche Präsenz von Menschen mit HIV soll das Bild vom Leben mit HIV verändern und eine neue Selbstverständlichkeit in der Gesellschaft schaffen.

„Die Kampagne richtet sich in erster Linie an Menschen mit HIV. Wir wollen uns gegenseitig ermutigen, selbstverständlich mit HIV zu leben und uns gegen Diskriminierung zu wehren. Wir setzen dabei auf gegenseitige Hilfe und Ermutigung“, erläutert Heike Gronski, die das Community-Projekt als Referentin für das Leben mit HIV bei der Deutschen Aidshilfe koordiniert.

Christian Hillen, der „selbstverständlich positiv“ mitentwickelt hat, sagt: „Viele von uns haben Schuldzuweisungen und Abwertung verinnerlicht und richten ihr Leben stark daran aus, wie andere reagieren könnten. Davon möchten wir uns alle befreien. Wir nehmen uns die Freiheit, selbstverständlich positiv zu sein. Und wir sind sehr zuversichtlich, dass diese positive Energie ansteckend wirkt.“

Heike Gronski betont: „Jeder Mensch muss und darf natürlich selbst entscheiden, wie offen er mit der eigenen HIV-Infektion umgehen möchte. Für die meisten geht es Schritt für Schritt voran. Wir möchten möglichst viele beim nächsten Schritt unterstützen. Unser Ziel ist, dass niemand mehr darüber nachdenken muss, wer von der Infektion erfahren darf. Wir glauben, dass wir dieses Ziel nur erreichen können, wenn wir uns zeigen und gegenseitig stark machen.“

Mehr Informationen:

Kampagnenwebsite: www.selbstverständlichpositiv.de

Live-Event zum Kampagnenstart am 29.4.2021 um 19:30 Uhr

Archivierte Live-Videos der Deutschen Aidshilfe

Studie: Diskriminierung macht vielen Menschen mit HIV das Leben schwer